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Impulse für die Praxis zum Thema Einsamkeit
Wie können wir Einsamkeit bei jungen Menschen erkennen, verstehen und ihnen wirksam begegnen? Dieser Frage widmete sich der Fachtag „Einsamkeit bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen“ am 18. Juni 2026 in der Jugendherberge Düsseldorf.
Gemeinsamer Fachtag
Der Fachtag wurde in Kooperation von der Akademie des Versicherers im Raum der Kirchen (VRK), der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland (aej), der AEJ-NRW, der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz (afj) sowie der Evangelischen Landesstelle Kinder- und Jugendschutz NRW veranstaltet.
Interessierte aus Gemeinden, Jugend(verbands)arbeit, sozialen Diensten und der Diakonie kamen zusammen, um sich mit einem Thema auseinanderzusetzen, das in der Arbeit mit jungen Menschen zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Einsamkeit ist mehr als Alleinsein
Einsamkeit beschreibt die persönliche Erfahrung, dass die eigenen Beziehungen nicht den individuellen Bedürfnissen nach Nähe, Zugehörigkeit und Verbundenheit entsprechen. Dabei können unterschiedliche Formen von Einsamkeit auftreten – etwa emotionale, soziale oder peerbezogene Einsamkeit. Gerade bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen gilt es, genauer hinzuschauen, Signale wahrzunehmen und Räume zu schaffen, in denen Begegnung und Beziehung möglich werden.
Am Vormittag gaben Prof. Dr. Michael Noack (Hochschule Niederrhein) und Prof. Dr. Susanne Bücker (Universität Witten/Herdecke) Einblicke in aktuelle Forschungsergebnisse, Ursachen und Folgen von Einsamkeit. Sie machten deutlich, dass Einsamkeit Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen betreffen und Auswirkungen auf Gesundheit, Wohlbefinden und gesellschaftliche Teilhabe haben kann.
Impulse und Praxisansätze für unterschiedliche Arbeitsfelder
Am Nachmittag konnten die Teilnehmenden in verschiedenen Workshops konkrete Praxisansätze kennenlernen, diskutieren und vertiefen. Die Themen reichten von sozialraumorientierten Ansätzen zur Überwindung von Einsamkeit über Unterstützungsangebote für junge Erwachsene und Familien bis hin zu Fragen digitaler Lebenswelten, Extremismusprävention und konkreten Methoden für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.
Im Mittelpunkt stand dabei immer wieder die Frage: Was können wir in unseren Arbeitsfeldern tun, damit junge Menschen Zugehörigkeit erfahren, Beziehungen gestalten können und sich gesehen fühlen? Die Antwort liegt vor allem in einer Haltung, die junge Menschen wahrnimmt, ernst nimmt und ihnen echte Beteiligung ermöglicht. Es braucht Orte, an denen Beziehungen wachsen können, verlässliche Ansprechpersonen, offene Begegnungsräume und die Bereitschaft, unterschiedliche Lebensrealitäten wahrzunehmen. Zugehörigkeit entsteht dort, wo Menschen sich willkommen fühlen, ihre Stimme zählt und sie erleben: Ich werde gesehen und bin wichtig.
Ein Methodenkoffer für die Praxis
Im Workshop „Methoden gegen Einsamkeit“ wurde der digitale Methodenkoffer vorgestellt und gemeinsam mit den Teilnehmenden interaktiv ausprobiert. Die Sammlung bündelt praktische Ideen und Übungen für die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen und lädt dazu ein, das Thema Einsamkeit in unterschiedlichen Gruppen und Settings aufzugreifen.
Die Methoden bieten vielfältige Anregungen, um Begegnung zu ermöglichen, Gemeinschaft zu stärken, miteinander ins Gespräch zu kommen und Räume zu schaffen, in denen Verbindung und Zugehörigkeit wachsen können.
Der Methodenkoffer steht online allen Interessierten zur Verfügung.
Beim Fachtag wurde deutlich:
Einsamkeit wahrzunehmen, darüber ins Gespräch zu kommen und gemeinsam Wege zu entwickeln, ist ein wichtiger Schritt, damit junge Menschen Verbundenheit und Zugehörigkeit erleben können.
Autor: Niklas Niedermeier, Amt für Jugendarbeit der Ev. Kirche von Westfalen.