Versammlung der EJvW 2026 in Gemen

Rund 120 Jugendliche, junge Erwachsene und Jugendreferent*innen aus den 26 Kirchenkreisen und freien Jugendverbänden kamen am ersten Märzwochenende zur jährlich stattfindenden Versammlung der Ev. Jugend von Westfalen in Gemen im Kirchenkreis Steinfurt-Coesfeld-Borken zusammen.

Über drei Tage hinweg wurde unter dem Motto „Our Viewture“ diskutiert, gearbeitet, vernetzt und gemeinsam Glaube gefeiert. Burkhard vom Schemm aus dem Planungsteam erläutert: „OUR steht für die Gemeinschaft aus Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen, Jüngeren und Erfahrenen. VIEWTURE verbindet VIEW – Perspektive – mit FUTURE – Zukunft. Der Name bringt auf den Punkt, worum es geht: Junge Menschen bringen ihre Perspektiven ein und gestalten damit die Zukunft von Kirche und Gesellschaft aktiv mit.“

Der Freitag stand zunächst im Zeichen des Kennenlernens und der Vernetzung. Mit einer Vielzahl kreativer Angebote starteten die Teilnehmenden gemeinsam in das Wochenende. Neben einem Poetry-Slam-Workshop gab es verschiedene Mal- und Bastelangebote sowie eine Textwerkstatt mit biblischen Texten. Die kreative Arbeit eröffnete neue Zugänge zu persönlichen und gesellschaftlichen Themen.

BG-DIRTY Copy

Den Abschluss des Tages bildete eine „Open Stage“. Wer wollte, konnte hier eigene Texte, Gedanken oder kreative Ergebnisse präsentieren. In vielen Beiträgen wurde deutlich, was die Jugendlichen und jungen Erwachsenen derzeit besonders bewegt: Fragen nach Krieg und Wehrdienst, nach der Gestaltung des eigenen Lebens sowie nach dem Zusammenhang von Glauben und gesellschaftlicher Verantwortung. Einige dieser Themen wurden am Samstag inhaltlich weiter vertieft.

Am Samstag folgte die inhaltliche Arbeit. In verschiedenen Gruppen setzten sich die Delegierten unter anderem mit den Themen mentale Gesundheit, Demokratiebildung sowie mit Fragen rund um Wehr- und Friedensdienst auseinander. Lena Kromminga, eine junge Delegierte des Kirchenkreises Bielefeld, fasst es so zusammen: „Die Versammlung hat mir gezeigt, wie professionell und engagiert wir jungen Menschen die Dinge angehen, die uns wirklich beschäftigen: Demokratie, mentale Gesundheit, Wehrdienst. Themen, die nicht in der Kirche beginnen, aber dort verhandelt werden müssen.“ Ebenfalls diskutiert wurde die Frage, warum junge Menschen die Kirche verlassen. Die Antworten liefen auf einen gemeinsamen Nenner hinaus: Wer keine Relevanzerfahrung in und mit seiner Kirche macht, der wird gehen. Auch die aktuelle Revision der Kirchenordnung der EKvW wurde intensiv beraten.

Aus den Arbeitsgruppen entstanden mehrere Beschlüsse, die am Sonntag von der Versammlung beraten, abgestimmt und verabschiedet wurden. Ein wichtiger Schwerpunkt lag auf der Revision der Kirchenordnung der Evangelischen Kirche von Westfalen. Die Versammlung sprach sich unter anderem dafür aus, eine Fassung der Kirchenordnung in leichter Sprache zu erarbeiten, so wie es Sie auch für Ihre eigene Geschäftsordnung bereits letztes Jahr beschlossen hat. Außerdem soll die zentrale Bedeutung der Arbeit mit jungen Menschen stärker in der Kirchenordnung verankert werden. Ebenso soll das bisherige Jugendbeteiligungserprobungsgesetz in die Kirchenordnung überführt werden und so ein fester Bestandteil von Jugendbeteiligung innerhalb der EKvW werden.

Mit Blick auf die gesellschaftliche Debatte um eine mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht beschloss die Versammlung außerdem, offene und neutrale Beratungs- und Bildungsangebote zu diesem Themenfeld zu stärken. Jugendliche sollen die Möglichkeit haben, sich fundiert über Wehr- und Friedensdienst und ihre persönlichen Entscheidungswege zu informieren.

Ein weiterer Beschluss sieht die Einrichtung eines neuen Arbeitskreises vor, der sich künftig gezielt mit den Perspektiven und Anliegen queerer Menschen in der Evangelischen Jugend beschäftigen soll. Damit möchte die Evangelische Jugend von Westfalen Räume schaffen, in denen Vielfalt sichtbar wird und junge Menschen Unterstützung finden.

Insgesamt zeigte sich die Versammlung erneut als lebendiges Forum junger Menschen in Kirche und Jugendarbeit. Deutlich wurde: Die jungen Menschen setzen sich bewusst mit gesellschaftlichen Fragen auseinander und wollen aktiv Kirche und Gesellschaft mitgestalten. Neben der inhaltlichen Arbeit prägten Abendsegen, Morgenimpulse und der gemeinsame Gottesdienst am Sonntag das Wochenende – Momente, in denen Glauben nicht nur besprochen, sondern gemeinsam gelebt wurde. Die Versammlung war eben nicht nur eine Arbeitstagung, sondern auch ein glaubendes Ereignis.

 

Bilder Slideshow der Versammlung